Projektbereich B: Judentum und Christentum im Kontext der Shoa |
| Teilprojekt B2: Deutsch-jüdische Schriftsteller und der Zionismus |
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Zu den bisher wenig beachteten Phänomenen des deutsch-jüdischen Verhältnisses im Vorfeld des Nationalsozialismus gehört die Haltung der deutsch-jüdischen Intellektuellen zur historischen Bewegung des Zionismus. Das Teilprojekt widmet sich einer abgesteckten Parzelle dieses weiten Feldes, nämlich dem Thema »Deutsch-jüdische Schriftsteller und der Zionismus«. Ziel des Forschungsprojektes ist die Anfertigung einer Monographie, die den Zeitraum vom Beginn der zionistischen Bewegung mit dem Erscheinen von Herzls »Der Judenstaat« (1896) bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland (1933) umfaßt. Die Analyse konzentriert sich auf die regionalen Zentren der deutschsprachigen Literatur, die auch diejenigen der zionistischen Bewegung waren, auf Wien, Prag und Berlin. Dank dieser Beschränkung sollte es möglich sein, das gesellschaftliche Umfeld der deutsch-jüdischen Literatur genauer zu charakterisieren, etwa auf die Situation der jüdischen Bevölkerung in der jeweiligen Metropole einzugehen, Formen und Intensität von Antisemitismus und Antizionismus darzulegen und die Stellung der zionistischen Bewegung sowie den Stand der deutsch-jüdischen Literatur zu beschreiben. Insbesondere die signifikanten Unterschiede zwischen den drei Zentren versprechen Aufschluß über die Bedingungen und Bedingtheiten von antisemitischer Repression, zionistischer Bewegung und der Reaktionen darauf seitens der jüdischen Autoren. Behandelt werden zunächst Schriftsteller, deren Beschäftigung mit dem Zionismus in veröffentlichten Texten nachweisbar ist, wie etwa für Wien Theodor Herzl, Arthur Schnitzler, Karl Kraus und Jakob Wassermann, für Berlin Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig, Kurt Tucholsky, Joseph Roth, Gershom Scholem und für Prag Franz Kafka, Hugo Bergman, Max Brod und Egon Erwin Kisch - um nur die bekanntesten Vertreter zu nennen. Daneben sollen die zahlreichen jüdischen Zeitschriften und Zeitungen, wie »Die Welt«, »Allgemeine Zeitung des Judentums« oder »Selbstwehr«, ausgewertet werden. Dieser Komplex stellt eine der wichtigsten Aufgaben des Teilprojekts dar. An die Erschließung des bisher wenig beachteten und kaum ausgewerteten Materials knüpft sich die Hoffnung, bei der Durchsicht auf bisher unbekannte Äußerungen oder Debatten deutsch-jüdischer Schriftsteller über die zionistische Bewegung zu stoßen. Die Texte der Autoren sollen zunächst als Beiträge einer öffentlichen Diskussion um jüdische Identität und nationales und politisches Ethos des Judentums betrachtet werden (als ›Literatur zum Zionismus‹). Das Hauptinteresse des Teilprojekts ist jedoch ein literaturwissenschaftliches und demnach auf die Texte selbst gerichtet. Untersucht werden soll die Bedeutung des Zionismus für die deutsch-jüdische Literatur der Zeit. Die Beschäftigung mit dem Zionismus ist offenbar konstitutiv für einen großen Teil der deutsch-jüdischen Literatur, deren jeweilige Charakteristik sich demnach im Hinblick auf den spezifischen Umgang mit zionistischen Motiven, Themen und Vorstellungen erschließt. Das Projekt nähert sich somit den Texten von zwei Seiten: Mittels eines sozialhistorischen Ansatzes soll die Funktion der Literatur für die zeithistorische, politische Diskussion der sogenannten ›Judenfrage‹ dargestellt werden. Diese Form der Kontextualisierung bildet jedoch nur den Hintergrund zur ästhetischen und literarhistorischen Analyse, die sich - in Umkehrung jener ersten Fragestellung - mit der Funktion des Zionismus im literarischen Diskurs beschäftigt. |
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